Sonntag, 24. Juni 2007

Heaven's Gate

Geyerhof, 23.6., 16 Uhr

heavens-gate

Samstag, 23. Juni 2007

Gedanke während der Feuilletonlektüre im Zug

Da weiß ich noch gar nichts und habe es schon geschrieben.
So wie es dasteht, wird es dann auch gewesen sein.

Montag, 18. Juni 2007

Move him into the Sun

Als ich vorgestern im Sonnenlicht von den Abhängen des Manhartsberges in die heiße Stadt fiel, war Dunkelheit, Kühle, gar Schauder nicht im Bereich meiner Vorstellungskraft. Doch die Aufführung von Brittens War Requiem brachte dies und noch viel mehr. Ich war unvorbereitet, kannte den zusätzlichen, von Britten verarbeiteten Text nicht: die Verszeilen des englichen Lyrikers Wilfred Owen, der mit 25 Jahren 1918 gefallen war und die mit ihrer verdichteten Form so viel eindrücklicher Kriegsschrecken vermitteln als lange Plädoyers, erfahren durch die musikalische Ausgestaltung Britten s eine ins Unheimliche, wahrlich Erschütternde gehende Ausgestaltung: Tenor- und Baritonsolo, Kammerorchester. Ian Bostridge und Christian Gerhaher transportierten die Inhalte auf so eindringliche Art, dass am Schluss nur mehr Tränen blieben.

Die Abraham-Isaak-Passage, die erstes Schmerzempfinden brachte: But the old man would not so/but slew his son/and half the seed of Europe/one by one. Die beiden Sänger nahmen mich mit ihren Blicken und ihrer Stimme bei der Hand, führten mich vor die unvorstellbare Szenerie des Schlachtens: I am the enemy you killed, my friend/I knew you in this dark; for so you frowned/yesterday through me as you jabbed and killed.

Beim abschließenden gemeinsamen Let us sleep now ... konnte auch Ian Bostridge seine Berührung nicht mehr verbergen, mit Tränen nahm der den nach lang anhaltender Stille langsam aufbrausenden Applaus entgegen.

Jeder - so dachte ich da - der auch nur im Geheimen einen Krieg anzudenken wagte, müsse mit diesen Männerstimmen und diesem Text und diesem Kammerorchester eingeschlossen werden und so lange hören, bis er fühlt. Und versteht.

Die gleißende Sonne, in die wir uns dann bewegten, schien härter als zuvor; weich und wohlig wärmend aber war die Liebe der Freunde, die mich danach umfing.

Montag, 11. Juni 2007

Zeit kreist

In den Erkundungen von Tälern und Höhen verliere ich die festen Bezugspunkte. grossglockner Vormals vertraute Plätze sind keine mehr. Nur das nächtliche Atmen neben mir hält mich fest. Weißt du, fällt mir mittendrin ein, ich hätte vielleicht auch gut in dein Leben mit Vierzig gepasst, mit meinem Leben jetzt, zu deinem englischen Dreiteiler und den Lederhandschuhen und dem Hut und dem Citroen DS, ich glaube schon, dass du mich damals gut gefunden hättest in meinem Heute. Auch wenn ich älter gewesen wäre.. Aber er weiß nicht mehr, wie er mit Vierzig war und was ihn da bewegt hätte, nicht so aus dem Stegreif. An einem Morgen wache ich mit Traurigkeit auf. Könntest du jetzt nicht stehenbleiben in deinem gegenwärtigen Sein? frage ich, fast ist es ein Flehen. Und warten, bis ich nachgewachsen bin, mich deinen Jahren nähere? Er lächelt, er kann mich nicht anders sehen als ich ihm jetzt erscheine, in keiner anderen Relation zu sich selbst. Ich aber tauche immer wieder ein in sein jüngeres Dasein, ich kann es aus einem bestimmten Blick, einem bestimmenten Lächeln holen. Ich möchte alle seine Lebensspannen erlebt haben. Ich kreise in seinem Leben und in seinen Zeiten.

Montag, 4. Juni 2007

Almrausch

Jedes Jahr, wenn der Almrausch blüht, geht der Hirsch den steilen Weg hinauf zur Märchenwiese und holt einen großen Strauß, nimmt noch ein paar Zweige Erika und junge Lärchentriebe dazu. Es ist sein Ritual, sein alleiniges, seit 40 Jahren, seit dem frühen Tod des Erstgeborenen. Die Nachbarin, die Großmutter des heutigen Bauern, war damals im Kassettl zum Begräbnis gekommen, in der Hand einen Strauß der Almrosen. Das hatte so an ihn gerührt, und seither muss jedes Jahr zum Gedenktag der Almrausch auf dem Grab des Buben liegen.

almrausch

Niemals in all den Jahren war jemand dabei, immer ist er alleine hinauf, aber heuer durfte ich mitgehen; ich hab den Strauß mit Ehrfurcht ins Tal getragen. Und mit einer eigenartigen Liebe zu einem Kind, das ich nie kannte. Das jetzt, tät es noch leben, fünf Jahre jünger wär als ich.

Sonntag, 3. Juni 2007

Als ich einmal sterben wollte

Dass mir dieses Wintergeschichte aus längst vergangener Zeit an einem so schwülen Maisommertag wie heute einfällt, mag an dem Manuskript liegen, das ich gerade in Raten lese: die Erzählung einer atemraubenden Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen, einer Liebe, die so pur, rein, absichtslos und doch so folgerichtig ist, dass anderes als atemberaubtes Lesen nicht möglich ist. (Danke, liebste H!)

Als ich das erste Mal liebte, Liebe bewusst wahrnahm, war ich siebzehn, und sie brannte wie Feuer. Ich war unvorbereitet, wusste nichts, und doch: damals schon wusste das Herz auch um die Lust und deren Plätze, der Wiederliebende aber wusste viel mehr und war mir ein guter Lehrer. Er war jung, er war schön, er war charmant, er war labil, er war drogensüchtig. Folgte mir nach Wien und rutschte tief in die Welt des weißen, träumeverheißenden Staubes.

Es wurden vier Jahre, schön und traurig und wechselhaft, meine kleinen affairenbedingten Abtrünnigkeiten nahm er als offizielle Begründung für seine Sucht, immer wieder Besserung schwörend, ich wiederum seine Sucht als Grund für meine kurzfristigen Fluchten aus Enttäuschung, weil meine Liebe nicht ausreichte, ihn zu retten. Erst als noch Kokain hinzukam und die Paranoia ins Unendliche gewachsen war und er mit eine lieben alleinerziehenden Gelegenheitsprostituierten nach Südamerika auswandern wollte, begann ich mich mit dem Unabänderlichen auseinanderzusetzen.

Und doch, einen letzten Versuch des Zurückkehrens wollte ich noch unternehmen, es war gerade tiefer Winter. Mit einem kalten Lächeln wies er mich von der Türschwelle (grad zwei Häuser weiter von meinem jetzigen Wohnort): da wollte ich sterben. Darin aber lag das Fatale: ich wollte zwar sterben, mich aber nicht umbringen. Und so stapfte ich, gehüllt in einen alten Pelzmantel vom Flohmarkt, tränenblind den Waldrand entlang, setzte mich auf eine Bank und beschloss, so lange auszuharren, bis ich tot sei.

Es war so friedlich da, schneite ununterbrochen, ich fiel in eine trancehafte Ruhe - doch irgendwann war mir kalt. So stand ich auf, klopfte den Schnee vom Pelz und ging den langen Weg nach Hause, gedemütigt und mit dem zornigen Vorsatz im Herzen, dass mir nie, nie wieder Ähnliches passieren dürfe.

Es gelang mir auch, nie mehr wieder sterben zu wollen; aus all den Schmerzen, die wohl weiterhin kamen und nicht weniger heftig waren als dieser erste, ging ich hervor mit dem wilden Verlangen, weiter und weiter zu lieben und meiner Herzlust treu zu bleiben.

Mittwoch, 30. Mai 2007

Herzlust

Noch mehr Emily:

Das Herz sucht Lust – zuerst
Und dann – Erlass von Leid.



Mein Herz schwirrt zumeist im Kopf, wie ein Schmetterling, leicht und zart, sucht sich die zarten Flügel nicht zu stoßen.
Oft aber, sehr oft in den Tagen, die da waren und sind und weiterhin kommen, sinkt es lüstern schwer in den Uterus, gleitet von dort durch die Öffnung in die unbesetzte Höhle, schmiegt sich an die Wände und wartet, geküsst zu werden. Der erste, zaghafte Kontakt mit dem kleinbelippten Äuglein löst bereits solches Herzbeben aus, macht es drängen und sehnen, doch nein: im Innehalten und puren Wachen und langsamen Aufnehmen und wieder Innehalten wird aus der Höhle Weite, das Herz weitet sich mit, ist offen wie nie, fließt in ein so lustvoll’ Verlangen, dass Küsse nie reichen, die wildesten nicht, es zu stillen, zu bändigen. Die Herzlust fährt in die Glieder, die Gier wird zum Rhythmus, betäubtes Verlangen täuscht Sättigung vor. Doch nein.

Das Herz atmet tief, lächelt sanft, lässt von der Lust (für den Augenblick), birgt auch sein Sehnen in den Falten der Kammern - hier trifft es kein Leid. Erlassen aber ist nichts.

Ungewiss bleiben

Go not too near a House of Rose -
The depredation of a Breeze
Or inundation of a Dew
Alarms its walls away -

Nor try to tie the Butterfly,
Nor climb the bars of Ecstasy,
In insecurity to lie
Is Joy's insuring quality.

Emily Dickinson

Ich mag die Übersetzungen von Werner von Koppenfels nicht unbedingt, aber sie ist manchem vielleicht dennoch hilfreich:

Komm nicht zu nah dem Haus der Rose -
Verwüstung durch eine Brise / Überflutung durch einen Tau / Verscheucht seine Mauern -

Such nicht den Schmetterling zu fesseln, Übersteig nie die Schranken der Ekstase -
Ungewiß bleiben / Ist Schutzbrief der Freude.

Dienstag, 22. Mai 2007

Brother and Sister

Hand in Hand schreiten sie entlang des Ufers. „Brüderchen, komm tanz mit mir“ sagen die Blicke des Mädchens. Beider Augen lachen, ausgelassen laufen und springen sie. Den Tanz aber, den taumelnde Tanz lassen sie den Träumen.




Die Hollies kann ich mir da nicht verkneifen

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rinpotsche - 2011-10-07 00:37
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sang und klanglos :-(
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